«Endlich ich.» Perimenopause als Wendepunkt.
- Vera Schildknecht
- 18. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Warum das, was dein Körper und dein Kopf gerade tun, kein Versagen sondern eine Einladung ist.
Irgendetwas stimmt nicht, aber du kannst es nicht benennen
Du schläfst schlechter als früher. Du liegst nachts wach und grübelst. Du bist schneller gereizt in Momenten, in denen du früher einfach gelassen geblieben wärst. Vielleicht hast du das Gefühl, dass du es leid und satt bist, dass alle um dich herum sich einfach darauf verlassen, dass du dich schon kümmerst, und das für selbstverständlich halten. Vielleicht hast du gedacht: Ich bin erschöpft, überarbeitet oder einfach zu sensibel. Und vielleicht ist da dieser Gedanke, den du kaum auszusprechen wagst: „Was stimmt nicht mit mir?“
Die Antwort ist: Nichts stimmt nicht mit dir. Was du erlebst, hat einen Namen:
Perimenopause

Eine Phase, über die kaum jemand spricht
Die Perimenopause ist die Übergangszeit vor der Menopause. Die Übergangszeit beginnt oft schon Ende 30 und kann insgesamt über ein Jahrzehnt dauern, auch wenn sich viele Frauen erst viel später bewusst werden, was sie durchmachen. In dieser Zeit verändern sich hormonelle Prozesse und diese wirken sich auch auf das Gehirn und die Verarbeitung aus: auf Schlaf, Konzentration, Emotionen und Stress.
Das kann sich zeigen als:
innere Unruhe oder Erschöpfung
Reizbarkeit oder emotionale Schwankungen
Brain Fog oder Vergesslichkeit
das Gefühl, sich selbst nicht mehr richtig zu erkennen
Wichtig: Diese Zeit ist kein Abbau, es ist ein natürlicher Übergang, eine Umbruchphase, ein Wendepunkt. Und trotzdem fühlen sich viele Frauen damit allein.
Und zur Beruhigung: Brain Fog ist typischerweise vorübergehend und unterscheidet sich klar von neurodegenerativen Erkrankungen.
Nicht nur körperlich, sondern auch innerlich ein Wendepunkt
Diese Phase bringt nicht nur Symptome mit sich, sie stellt auch Fragen. Fragen wie:
Was will ich eigentlich noch?
Was passt nicht mehr?
Für wen funktioniere ich und wo bleibe ich selbst?
Viele Frauen erleben genau hier etwas Entscheidendes: Sie beginnen, sich selbst wieder zuzuwenden. Nicht, weil sie müssen, sondern weil es nicht mehr anders geht.
«Es wartet auf dich noch eine bessere Version deiner selbst. Eine, die sowohl die Lust als auch die Kraft hat, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten.» Dr. med. Sheila de Liz, Woman on Fire |
Was sich verändert, ist nicht gegen dich, sondern für dich
Was sich wie Kontrollverlust anfühlt, ist oft der Beginn von Klarheit.
Du reagierst stärker - weil etwas nicht mehr stimmig ist.
Du bist erschöpft - weil du zu lange getragen hast.
Du hinterfragst dein Leben - weil eine neue Phase beginnt.
Warum das auch für Arbeitgebende relevant ist
Vielleicht bist du nicht hier, weil du selbst mittendrin bist. Vielleicht denkst du gerade an jemanden in deinem Team. An die Mitarbeiterin, die seit einigen Monaten «irgendwie anders» wirkt. Die zuverlässigste Person im Raum und plötzlich ist da eine Erschöpfung, die du nicht zuordnen kannst. Vielleicht weniger Belastbarkeit. Vielleicht mehr Rückzug.
Was von aussen wie Leistungsabfall wirkt, ist oft ein innerer Umbruch, kein Versagen, sondern ein Wendepunkt. Frauen zwischen 38 und 55 sind oft zentrale Leistungsträgerinnen im Unternehmen. Und stecken gleichzeitig in genau dieser Umbruchsphase. Ohne Einordnung entstehen schnell Missverständnisse. Mögliche Folgen:
Rückzug oder Überforderung
reduzierte Pensen
innere Kündigung oder Stellenwechsel
Sensibilisierung schafft hier einen entscheidenden Unterschied. Sie reduziert Missverständnisse, stärkt die Zusammenarbeit und hilft, erfahrene Mitarbeiterinnen im Unternehmen zu halten.
Was du als Arbeitgebende konkret tun kannst:
Reden, nicht über sie, sondern mit ihr. Nicht über Symptome, sondern über Raum: «Was brauchst du gerade, um gut arbeiten zu können?»
Flexible Strukturen ermöglichen, wo es geht: Arbeitszeiten, Pausengestaltung, Homeoffice, Rückzugsmöglichkeiten.
Wissen teilen - auch dieser Artikel darf empfohlen werden.
Coaching als Teil des BGM ernst nehmen. Nicht als Leistungsoptimierung, sondern als Begleitung in einem Lebensübergang, der sich auch auf die Arbeit auswirkt.
Der Firmen-Workshop «Endlich ich.»
Genau für die Sensibilisierung von Mitarbeiterinnen habe ich den Workshop «Endlich ich.» entwickelt. Ein halbtägiger Reflexionsraum für Frauen in dieser Phase - jenseits von reinem Wissen oder medizinischer Information. Mit dem Ziel, Mitarbeiterinnen dabei zu unterstützen, stabil und orientiert durch diese Phase zu gehen und Organisationen zu helfen, wichtige Leistungsträgerinnen zu halten.
Themen vom Workshop:
verständliche Einordnung der Perimenopause
geführte Reflexion: Wo stehe ich gerade und was will ich?
Austausch mit anderen Frauen
konkrete Impulse für deinen nächsten Schritt
«Die Menopause ist das bestgehütete Geheimnis unserer Gesellschaft.» Dr. Lisa Mosconi, Das Gehirn in der Menopause (2025) |
Menostart: eine andere Sprache für diese Phase
Dr. Lisa Mosconi erwähnt in ihrem Buch einen Begriff, der die Realität besser trifft als «Menopause»: Menostart. Nicht das Ende von etwas, sondern der Startpunkt eines neuen Abschnitts. Es ist der Augenblick, in dem sich eine Frau neu erfinden kann, nachdem sie sich jahrelang auf die Bedürfnisse anderer konzentriert hat. Jetzt darf sie endlich auf die eigenen achten.
Warum dieser Perspektivwechsel wichtig ist
Unsere Gesellschaft reagiert auf hormonelle Veränderungen bei Frauen dreimal im Leben sehr unterschiedlich. Pubertät und Schwangerschaft werden mit den Worten „Das sind die Hormone” erklärt und man reagiert mit Zuversicht, Fürsorge und Rücksicht. Bei der Perimenopause passiert meist das Gegenteil. Die Umgebung reagiert mit Unmut, Geringschätzung oder sogar offener Verleugnung und sagt: „Stell dich nicht so an.”
Kein Wunder, dass sich viele Frauen allein fühlen und nichts sagen. Kein Wunder, dass viele nicht einmal wissen, was sie gerade durchmachen. Und genau das ist einer der Gründe, weshalb ich diesen Artikel schreibe und warum der Workshop «Endlich ich.» entstanden ist. Damit Frauen nicht mehr leiden, ohne es benennen zu können. Sondern damit sie wissen: Das hat einen Namen. Ich bin nicht allein. Und es gibt einen Weg hindurch.
INNERA - ein Rahmen für genau diese Phase
INNERA ist mein Coaching-Framework für Frauen an Lebenswendepunkten. Es hilft, innezuhalten, innere Muster zu erkennen, neue Perspektiven zu entwickeln und bewusste Entscheidungen zu treffen.
Dr. Lisa Mosconi betont, wie entscheidend Glaubenssätze und innere Haltung für die Erfahrung dieser Phase sind: Welche Überzeugungen trage ich über mich selbst mit mir? Woher kommen sie? Unterstützen sie mich oder halten sie mich fest? Genau das ist Phase N¹ von INNERA: Narrative entwirren. Sätze wie «Ich muss immer stark sein», «Ich bin zu viel», «Ich darf keine Schwäche zeigen» tauchen in der Perimenopause oft besonders laut auf. Weil der Körper kein Schweigen mehr zulässt.
Was dich jetzt wirklich stärkt
Dr. Sheila de Liz bringt es auf den Punkt: Was die Menopause am meisten von uns fordert, ist Selbstfürsorge. Nicht als Wellness-Begriff. Sondern als echte Frage: Was brauche ich? Was will ich wenn ich aufhöre, einfach zu funktionieren?
Frauen verbringen einen grossen Teil ihres Lebens nach der Menopause und die Perimenopause davor kann zwischen 8 und 10 Jahre dauern. Wie du in diese Phase gehst, mit welchem Selbstbild, welchen Entscheidungen, welcher inneren Ausrichtung, das prägt, wie du damit umgehst und sie erlebst.
Drei konkrete Impulse, die de Liz empfiehlt und die ich in meiner Arbeit ebenso gerne mitgebe:
Stille-Zeit einführen. Morgens oder abends 5 Minuten für dich. Keine grosse Übung. Nur die Frage: Was will ich heute wirklich? Wofür bin ich dankbar? Von was bin ich bereit, mich zu verabschieden? Diese kleine Praxis verändert, wie du den Tag erlebst.
Auf deine Selbstgespräche achten. Welche Fragen stellst du dir im Kopf? Fragen wie «Was ist falsch mit mir?» kosten Energie. Fragen wie «Was ist heute möglich?» öffnen Raum. Das ist kein positives Denken, das ist gezielter Umgang mit deiner eigenen Sprache.
Wählen, mit wem du Zeit verbringst. Halte dich von Menschen fern, die dir nicht gut tun. Verbringe Zeit mit jenen, bei denen du dich sicher und lebendig fühlst. Deine Zeit und Energie ist wertvoll.
Mach dir jetzt noch keine Sorgen um das «Wie». Du musst den Weg nicht zu Ende sehen können, um den ersten Schritt zu gehen. Dr. med. Sheila de Liz, Woman on Fire |
Drei Bücher, die ich dir empfehle
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, empfehle ich diese drei Bücher, jedes mit einem anderen Schwerpunkt:
Jeanette Kuster - Mittendrin (2025, Aris Verlag): Persönliche Geschichten und Expertinnenwissen. Ein Schweizer Buch über eine Lebensphase, über die noch zu wenig gesprochen wird.
Dr. med. Sheila de Liz - Woman on Fire (Rowohlt, 2020): Empowernd, ehrlich, humorvoll. Sie nennt diese Phase Heimkommen und gibt Frauen das Wissen zurück, das ihnen zusteht.
Dr. Lisa Mosconi - Das Gehirn in der Menopause (dtv, 2025): Neurowissenschaftlich fundiert und gut lesbar. Erklärt, warum das Gehirn in dieser Phase ein neues Betriebssystem installiert und was «Menostart» wirklich bedeutet.
Erkennst du dich darin wieder?
Dann ist das kein Zufall. Vielleicht ist genau jetzt der Moment, innezuhalten und hinzuschauen. Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen. Gerne begleite ich dich dabei, in dieser Phase wieder Orientierung und Klarheit zu finden.
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